Der Bus kommt

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Die Paula ist ne Kuh, 

Ne coole noch dazu.

Die macht `nen Pudding, 

Der hat Flecken,

Den kannst du löffeln und auch schmecken.

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Doch schmeck‘ ich hier keinen Pudding nicht

und die Paula hatte ein dummes Gesicht.

Was ich schmeck‘ das ist Kakao

und auf der Packung ist der Himmel blau.

Das trink‘ ich mir in meinen Bauch hinein

und tue so auf ganz allein.


Der Bus kommt.


Wie komm‘ ich auf die Kuh?

Na wegen diesem allzu süßen Muh

und dem Mäh und dem Flashback aus Kindheitstagen

und diesen verdammten Werbeplagen. 

Ach scheiß drauf - das ist mir alles zu verschmäht, 

nun werde ich doch einmal konkret:


Mein Sein das… schreit - wollte ich eben schreiben, doch es schreit nicht. Weint - hätte ich fast gemeint, aber es weint nicht. 

Es ist weder wutentbrannt noch vom Tränenmeer überrannt.

Nein, mein Sein hat gerade alles verbannt.

Es ist also gerade nur. Einfach so und einfach da.

Und derweil starrt auf mich ein dumpfes Affengesicht,

aber es macht sich auch grad nichts aus meiner Einsicht

und meine Füße taumeln weiter im Regen, 

selbst wenn der Regen schon vorüber ist.

Da hab ich‘s wohl vermisst wie sich der Regen verpisst.


Der Bus ist wieder da.


Fühlt sich so Nichts an?

Ist das das Nichts-Gefühl?

Die Lautsprecherdurchsage rauscht so unverständlich durch mein Ohr wie das Nichts-Gefühl in meinem Bauch.

Oder ist das alles nur der scheiß Kakao?


Der Bus war gerade da.


Ich nehme an so ein Nichts-Gefühl kann also nichts?

Vielleicht kann es nicht mal was dafür, dass es nichts kann.

Muss es überhaupt etwas können?

Sollte es denn etwas müssen?

Darf es etwas sollen?

Will es gar etwas dürfen?

Eventuell mag es weder wollen noch dürfen, sollen, müssen oder können.

Womöglich möchte es auch nichts mögen, sondern einfach nur Sein.

Es ist also gerade nur. Einfach so und einfach da.

Beziehungsweise ist Nichts da, beim Nichts-Gefühl.

Sein oder nicht sein?

Jetzt bin ich bei Shakespeare gelandet.


Aber der Bus ist da.


Irgendwie erschöpft mich das.

Ich habe mich jetzt weggedreht vom Affengesicht. Nun glotzt er mich nur noch von der Seite an und ich glotze die Schaufensterkissen an und stelle mir vor wie ich mich in sie hineinkuschel. Aber zuerst würde ich auf diesen Lichtlianen schaukeln, hin und her und her und hin und von dort würde ich mich ins Schaufensterbett schwingen und dann, dann würde ich mich wie ein Katzenjunges in die Schaufensterkissen einrollen. Ja, sowas hat die Affenfresse noch nicht gesehen. Aber sie wird es auch nie sehen. Keiner von uns hat die Möglichkeiten dazu. Scheiße. Langweilig, dieses Nichts.


Der Bus.


Ach, könnte mir doch etwas schlimmes passieren. Etwas fatales, etwas schreckliches, etwas das gravierender ist als alles was mir bisher widerfahren ist. Etwas was mein Herz nicht ertragen kann, etwas was mich zum Schreien bringt, zum Weinen, zum Wüten, zum Kreischen und Schäumen. Etwas was mich derart in eine Verzweiflung stürzen würde, dass ich mich vor lauten Toben und Klagen auf dem Boden werfen und mich solange gewaltsam um mich selbst winden muss, bis dass ich mir das Rückrad breche, und meine Schulterplatten würden wie zwei Flügel auseinanderreißen, um meinem Schmerz, im Akt dieser körperlichen Selbstzerstörung, auch noch einen metaphorischen Ausdruck zu verleihen, auf dass ich mich am Ende doch endlich, endlich lebendig fühlen kann. 


Bus.


Doch vor lauter Glück ist mein Herz so stumpf wie das Affengesicht und der Regen erfüllt auch nicht seine Pflicht.

Vielleicht habe ich aber auch einfach nur zu viel Kakao erwischt. 

Welch süße Sicht.

Vor Ohnmacht möchte ich strotzen und wie die Affenfresse stumpfsinnig glotzen. Wann kann ich denn endlich wieder leiden? 


Der Bus fährt ab.



! Unverarbeitetes Material:


Absichtlich. Als ob ich es absichtlich getan hätte. Wieso unterstellt er mir sowas? Was hätte ich davon wen anderen absichtlich Leid zuzuführen. Da bin ich doch zu egoistisch, denn da hätte ich ja nichts davon, außer so ein Nichts-Gefühl, das einem Nichts bringt. Weder Freud noch Leid, noch ein schlechtes Gewissen oder eine Genugtuung. Wie sollte ich denn bitte eine Genugtuung am Leid und Schmerz des anderen erfahren, ich mein, das bin so garnicht ich, das sollte mittlerweile sogar der Affe checken. Da schaukeln ich lieber in meinen Gedanken auf diesen Lichtlianen, schwinge und kreise und taumel und tanze, so wie meine Füße im Nicht-Regen. 


Ich bin im Hochgefühl von diesem Nichts-Gefühl angekommen, das Bett unter mir lasse ich leer, denn ich denke nur an mich und was mich erfüllt und was mir Freude macht und Leiden schafft. Das ist der Kontrollverlust, der Moment der ungewiss ist, dort wo ich aus dem Gleichgewicht komme und fallen darf und wo ich spielen kann mit mir und diesem Moment des Fallens. Bis nichts mehr bleibt, außer dem Rausch. Der Geschwindigkeit. Der Aufprall. Die Seligkeit. Der Schmerz. Die Liebe.


Jetzt, habe ich den Bus verpasst.


Kein Lichtertanz. 

Kein Kissenkranz.

Kein Selbstmord-Trauma.

Kein Kind's-Verlust.

Kein Wittwengruß


Der Bus ist da.


Kein Leid das bleibt.

Kein Leid das spielt.

Und ich höre die Trompeten und Gitarrenklänge doch stumm wie der Affe sitzt ich da mit stumpfen Gesicht und erwarte den Regen auch nicht.

Löse mich auf du kreischender Regen oder ich lasse mich vom Bus durchrollen. Dann schrei ich, dann sing ich, dann summe ich. Dann spüre ich das Leben, dass es endlich ist doch es endet nicht.


Der Bus lädt mich ein.

Jetzt ist er fort.


Fort. Hinfort. Dahin und weg. Dem Weg entlang, bis dorthin, wo ich ihn nicht mehr sehen kann. Da ist er wieder. Der Bus ist da. Du hinterlistiges Insekt, kommst wieder und wieder, schleichst dich von hibten an, du gemeines Biest, aber mich, mich nimmst du nicht mit. Mich trägst du nicht fort. hinfort. dahin. weg. Ab ins Nichts-Gefühl.


Ich muss schlafen gehen, auch wenn die Nacht noch weit ist.


Aufwiedersehen Affengesicht.

Adieu Lichlianen.

Tschau Nicht-Paula-Kuh.

Jetzt gehen wir alle zur Ruh.



und dem endlichen Leben und dem


xxxx


Wieder verpasst.


Test


…

Auszug aus dem TЯagebuch.

April 2022

©Felodeli