K(L)ippenaussicht

Der Teufel selbst hat sich im Körper verrannt.

Er hat sich einen Wirten gesucht, ihn mit Verzückung zum Zucken verflucht

und eklatant zur Schlaflosigkeit verdammt.

Ein elendiges Wesen lehrt Lebendiges zu verwesen.

Es ist ein traumloses Ausharren, wenn der Wahn in einem steckt,

wenn sich Unheil und Verderben in einen vernarren

und nur noch das Leid selbst einen erweckt.

Ja, ein zum Untergang geweihtes Geschöpf.

Es wird vom eigenen Leib gerichtet,

wird schleichend ausgeschöpft, auf dass es ein jähes Ende erpichtet.

Und um dieser Ungerechtigkeit gerecht zu werden,

folgt die persönliche Verrichtung.

Unmerklich und unerkannt übernimmt es stillschweigend die Überhand:

Es beugt sich der eigenen Hinrichtung.

Dabei wird der Akt neu benannt und elegant

“die unaufhörliche Hingebung”

genannt.

So sei es also.

Denn wer sonst vermag es zu urteilen, als nicht der Verurteilte selbst?

Jede Anmaßung das Unermessliche zu erfassen

wäre wie der Versuch das Unfassbare zu ermessen.

Sprich, mit welchem Recht könnte man über einen gerichteten richten,

als nicht mit dem Unrecht selbst? 

Nein, der Dämonen zeugen bleibt nur das Innehalten,

die Bewahrung menschlicher Anteilnahme,

das Erdulden grässlicher Urgewalten

und die Zustimmung der eigenen Miteinvernahme.

Etwa, wenn das Verständnis um den Ritus so tief dringt,

wie künftige Trauer den Augenblick verschlingt.

Wie schwer wohl das Herz mit sich ringt, wenn das Beileid der anderen selbst einen bezwingt? 

Vielleicht stirbt man ein Stückchen mit, wenn solch ein Schmerz den Körper durchsticht.

Als ob man von innen zerreißt, während die Seele das Unglück verspeißt.

Dabei erfüllt der Himmel nur seine Pflicht,

denn wenn sich der Leib vom Leben spaltet

und sich der Geist neu entfaltet,

da empfängt der Tod eben ein neues Gesicht

und nebenbei

entsteht ein scheues Gedicht.

Restless legs syndrome.

August 2022