Schreben

Da kreischen plötzlich die Stimmen aus dem Niemandsland, wie ein sanfter Flötengesang: 

"Du hast dein Lebensband ausgespannt, dein Lichtlein zu schnell verbrannt!"

"Aber, aber ich wollte doch nur daran zupfen und einen Schimmer sehen,

da begann es wie von selbst zu ziehen und auf einmal waren die Flammen in allen Farben zu sehen."

 

So wurde ich in diese Form gedrängt, die ständig um sich selber rennt.

Und beim ewigen Ausbrechen bröselt es sich ab, das Leben. 

Stück für Stück zerkrümelt es.

Wie ein Zwieback, der in der Schultasche vergessen wurde. Und der Zwiebackbröselmatsch vermischt sich mit dem Gurkengatsch. Da klebt er ganz erbärmlich an der Außenwand und fühlt sich von sich selbst verbannt. Er windet sich in diesen Schlitz hinein, dort wo es weder auswärts oder einwärts geht. Und in diesem Bruch sitzt ein Silikongeruch, welcher sich gar schützend auf ihn legt, ihn schlussendlich aber ganz verklebt. Doch von außen da schimmert sie, die Jausenbox, und glänzt so vielversprechend nach einer schmackhaften Zwischenmahlzeit. Man würde sich sogar die eigene Zunge verbrennen, nur um gleich darauf davon zu rennen.

Aber irgendwann hat es sich ausgerannt.

Irgendwann wird nicht mehr aufgeflammt.

Irgendwann hat es sich ausgebeult,

wird nicht mehr aufgeheult.

Irgendwann wird endlich sein.

Endlichschrebenfreipunktstimmlosformfremdlichamausharrensind

Endlich schreiben. 

Punktbefreit, obwohl?!

Obwohl sie doch nur hinter jedem Piepen und Bimmeln,

Ticken und Wimmeln lauern.

Sie warten. Erwarten.

Eine Artung. 

Und dabei muss man das Leben aushalten.

Manchmal hilft es auch abzuwarten

und den Visualtrakt auszuschalten.

Etwa, wenn die Lider schon von innen schwellen

und die Pupillen nach hinten schnellen.

Als ob sie in die Rückwand schneiden,

um das Brennen vorne zu vermeiden. 

Auszug aus dem TЯagebuch.

November 2021

©Felodeli