StruDLmorgen

Diese Momentaufnahmen.

Wo man sich so unsterblich lebendig fühlt,

als ob man seine Existenz so lange in die Hälfte teilen könnte,

bis dass man die eigene Unteilbarkeit erreicht hätte.

Und dann brächte einen selbst ein Kotgeruch nicht um die Erregung,

denn auch am Rande der Ausscheidung und selbst am Ende des Abscheidens

erheitert sich das Leben.

Das ist ja auch nur eine Umformung von Glück.

Und Glück, davon habe ich so unermesslich viel geschenkt bekommen,

einfach weil ich in die Welt geworfen wurde, wo ich bin. 

So ist es, dass ich den Tod ja nur begrüßen kann, wenn er irgendwann einmal herein kommt in meine Mitte.

Und das würde vermutlich genauso brutzeln und brennen wie die Freude am Leben selbst.

Oder die Freude, wenn man einen Apfelstrudel backt, an einem Sonntagmorgen. 

Die ganze Küche duftet dann wie ein Verwandtschaftsfriedhof

und die Stimmung prickelt wie ein Sprung ins kalte Wasser.

Ja, und dann liegt man plötzlich zusammengerollt da,

wie der vor Glück triefende Apfelstrudel im Ofenrohr.

Welcher sich vor lauter Ausdünstung eigentlich nur in den Bach stürzen möchte,

um sich einmal wie ein frisch gespritzter Apfelsaft zu fühlen.

Eine sprühende Apfelessenz,

deren Schicksal es ist sich langsam und gemächlich in die Welt hinaus zu rauchen,

bis nur noch ein süßer Zuckerbatzen übrig bleibt.

Ein ganz natürlich, menschenwürdiges ZuEndeGehen wäre das.

So sinnlich zeitlos, als ob es nur eine Nebenhandlung wäre, in diesem Bilderbuchleben.

Denn oben drüber flattern zwei Falter,

die mit vorsichtiger Absicht ineinander gehen,

um zusammen aus ihren Flügeln Origamis zu flechten.

Solch krabbelnde Lebendigkeiten überdauern im Seelenstrudel ihre Unteilbarkeit,

als würden sie nie zu Staub zerfallen.

Sie sind am Unort der Fassungslosigkeit angekommen.

Und spätestens jetzt denkt man sich nur noch:

Wie seltsam und absurd, aber verdammt duat des guad!

Und dann würde man vor lauter Lust einen Durst bekommen

und vor lauter Frust wieder einen Hunger verspüren.

Auf dass man all diese Freuden erneut hinausdrängen möchte,

um endlich den Schwindel der Freiheit in sich aufzunehmen zu können.

Auszug aus dem TЯagebuch.

Oktober 2021

©Felodeli